Ich war 14 und hatte auf dieser Geburtstagsparty gerade einen aufregenden Augenflirt mit einem Mädchen. Plötzlich drehte sie sich zu ihrer Freundin um, kicherte, flüsterte und verschwand mit ihr aufs Klo. Zu zweit. Im Doppelpack. "Wir sind gleich zurück", sagte sie. Es dauerte eine Weile, und zwar eine ziemlich lange Weile, bis die beiden wieder herauskamen. Sie tuschelten weiter, taten aber ansonsten so, als sei nichts passiert.
Schon damals war ich fassungslos: Warum zu zweit? Was machen die da, und vor allem: Warum dauert das so lange? Jetzt, mit 21, bin ich noch nicht schlauer. Aber ich habe die Frauen aufmerksam studiert und festgestellt, daß das Klo-Duett kein Einzelfall ist, sondern ein allgemeines weibliches Phänomen. Sie tun es alle: Mädchen und Frauen, Engländerinnen, Südamerikanerinnen oder Deutsche, alte oder junge. Sobald die Blase drückt, schnappen sie sich ihre Freundin, Bekannte oder was auch immer an Weiblichkeit greifbar ist und schleppen sie mit zur Toilette. Das ist mir persönlich und allen anderen männlichen Wesen in meinem Umkreis ein echtes Rätsel. Was würden meine Freunde sagen, wenn ich plötzlich in der Kneipe ein lockeres "Hey, Klaus, ich muß mal, kommst Du mit?" in die Runde werfen würde? Befremdete Blicke wären die harmlose Reaktion, warscheinlicher aber wären Anmachen von der Art: "Bist Du noch ganz dicht in der Birne?" - "Kannst Du nicht mal das allein?", oder fiese Schwulensprüche. Denn eins ist unter Männern klar: Ein echter Kerl braucht im Pissoir keine Unterstützung.
Wenn aber zwei Mädels zusammen auf dem stillen Örtchen verschwinden, wundert sich keine darüber. Nur wir Männer überlegen fieberhaft, was so faszinierend daran sein kann, daß Frauen dort mehr Zeit verbringen, als mit uns. Einmal Aufsklogehen und Lippenstiftnachziehen dauert doch höchstens fünf Minuten pro Person, also zehn für beide, falls sie sich den Lippenstift teilen. Ein schrecklicher Gedanke kommt mir: Die reden womöglich über uns! Aber was mich noch brennend interessieren würde: Gehen die beiden eigentlich zu zweit aufs Klo, oder muß die Freundin Wache stehen? Ein Schutzinstinkt, um eine nahende Gefaht sofort zu erkennen? Ein Überbleibsel aus der Neandertalerzeit, als die Mädels, in der Pampa hockend, besonders wehrlos waren? Muß überhaupt wenigstens eine von beiden wirklich pinkeln? Fragen über Fragen, auf die ich bisher noch keine befriedigende Antwort bekommen habe. Statt dessen krieft man, wenn man nach der Ursache forscht, zu hören: "Nur so - stört Dich das etwa?"
Ja, um ehrlich zu sein. Es stört mich! Und
alle anderen Männer auch. Wir fühlen uns hintergangen, ausgeschlossen
und sitzengelassen. Sind die Frauen verschwunden, sitzt man einsam an der Theke,
raucht aus Langeweile eine nach der anderen, reißt Bierdeckel kaputt oder
starrt Löcher in den Tresen. Und grübelt und denkt und zermattert
sich das Hirn, was die da bloß machen. Bis einem dann plötzlich jemand
von hinten auf die Schulter tippt und sagt: "Na, träumst Du, oder
warum läßt Du uns hier einfach so stehen?"