Tipps, um Frauen anzumachen

Jede Frau will sich verlieben. Davon träumt sie als pubertierende Pickelmaus, danach lechzt sie als krisenfeste Karrierefrau. Kein Kitschroman, kein Kunstporno kann dieses Verlangen auch nur an- nähernd ersetzen oder gar befriedigen. Sie muss dieses besinnungslose Prickeln spüren. Ihre Lust zu lieben ist latent, die Libido ist allzeit bereit.

Aber das war's dann auch an weiblichem Entgegenkommen. Für alles andere ist ER zuständig. Emanzipation hin, Gleichberechtigung her - Frau wartet, dass Mann den Anfang macht. Sie setzt Signale und überlässt ihm die Initiative und das Risiko. Weil das ihre Erziehung verlangt. Und aus Bequemlichkeit. Dabei kommt es ihr besonders auf Kleinigkeiten an. Gerade am Anfang sollte er sich darum keinen Fehler leisten, sonst bleibt er garantiert auf der Stecke.

Erfolg ist machbar, auch in der Liebe. Wer ans Ziel kommen will, muss sich eine Strategie überlegen. Denn zur erfolgreichen Verführung gehört eine durchdachte Taktik. Mit den richtigen Methoden und Techniken kommt Mann beim anderen Geschlecht zum Ziel. Dazu muss er die Gefühle und Sehnsüchte der Wunschpartnerin beeinflussen. Natürlich reagiert nicht jede Frau gleich. Doch wer die Grundregeln der Verführung beachtet - und die Todsünden der Anmache meidet -, erobert die Traumfrau mit System.

Am schwierigsten ist der Einstieg. Die ersten dreißig Sekunden nämlich entscheiden über Leben oder Sterben der nächsten Affäre. Genau so lange dauert es, hat das Max-Planck-Institut festgestellt, bis sich das Gehirn für Zuneigung oder Ablehnung entscheidet.

Aber das ist nur der Auftakt. Danach muss Mann den richtigen Ton treffen. Smalltalk hilft, das Eis zu brechen. Dabei kann allerdings auch einiges schief gehen. Die coolen Sprüche aus irgendwelchen Kult-Movies sind out. Auch die Nummer mit "Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Sie entzückende Beine (wunderschöne Augen, reizende Was-auch-immer) haben?" ist eher ein Turn-off.

Was auch gar nicht gut kommt, ist die Totale: Wenn er sie in eine Ecke zwängt, die Brust bläht, die Hand taxierend über ihre Schenkel krabbeln lässt, das Gesicht drei Zentimeter vor ihrem platziert und sie gnadenlos vollsülzt.. Tödlich, denn Frauen wollen reden (Frauen babbeln eh soviel belangloses, also Gleichem gegen Gleiches!!). Wollen, dass er ihr - als Auftakt zu der langen Reihe an Zuwendungen, die übrigens, entgegen anders lautenden Vorurteilen, keineswegs immer materieller Art sein müssen - Aufmerksamkeit schenkt. Erst später findet sie es ungeheuer spannend, wenn er redet: Seine Geheimnisse - und seien sie noch so banal - ihr in allen Einzelheiten mitteilt und mit ihr teilt. In der Phase des Kennenlernens darf Mann noch nicht allzu viel preisgeben. Die Frauen wollen zunächst vor allen Dingen beachtet werden. Sobald das Gespräch dann in Gang gebracht ist, sollte er sie nach ihren Ansichten, ihrem Job und Gefühlen befragen. Interessiert und einfühlsam.

Die erste Hürde ist genommen, und das Gefühl "verliebt" breitet sich kribbelnd aus. Hat er sie erst mal auf diesem Höhenflug, kann er auch schon den ersten Höhenrausch anspielen. Und zwar lässig. Lässig und entspannt. Ein kühles, gelassenes Auftreten überträgt sich auf andere. Niemals die Dinge überstürzen. Und wenn er sich innerlich noch so sehr anstrengen muss, das Ganze jetzt nicht mehr durch eine Bruchlandung zu vermurksen: äußerlich immer schön locker bleiben. Devote Herumwieseler eliminieren sich eben so schnell wie verkrampfte Wichtigwillis.

Keine Frau möchte mit einem Mann zusammensein, den andere für einen Trottel halten. Darum muss Mann dafür sorgen, dass sie ihn in einer Situation erlebt, in der er glänzen kann. Nie darf er sich von irgend etwas überrumpelt zeigen. Die Vorbereitung muss absolut perfekt sein. Wer für alle Fälle gerüstet ist, erlebt garantiert keinen Reinfall. Damit die Verabredung zum Essen nicht zum Fiasko wird, muss er einen Tisch vorbestellen. Oder darauf vorbereitet sein, dass das Lokal geschlossen hat. Sie hält ihn für souverän und stark, wenn er dann sofort eine Alternative parat hat. Am besten, er wählt ein ihm vertrautes Restaurant und weiß, wo dort die Toiletten sind und welche Speise die Spezialität des Hauses ist. Vorher schon überlegen, in welche gemütliche Bar Mann sie nach dem Essen auf einen Drink einlädt. Und wenn er sich vor dem Treffen den Weg von ihrer Wohnung zum Restaurant auf dem Stadtplan ankuckt und außerdem weiß, wo er einen Parkplatz findet, wirkt er absolut überlegen und männlich. Sie ist beeindruckt.

Das richtige Verhalten und der richtige Ton sind wichtiger als Flachbauch, Knackpo und Muskelarme. Die nimmt sie ohnehin erst später wohlwollend zu Kenntnis. Heiß macht sie was ganz anderes: sein tiefer Blick. Forschend und fordernd. Frauen sehen Augen, suchen Augen. Versenkt in ihre müssen sie sein. Nicht starrend, nur einen Endlosmoment länger und intensiver. Das macht sie schwach. Garantiert. Noch ist es ein Spiel. Ihr erstes gemeinsames Geheimnis - geschafft: Frauen lieben Geheimnisse. Aus ihrer Telefonnummer wird sie keins mehr machen.

Danach ist fast alles ein leichtes Spiel für ihn. Vorausgesetzt, er bleibt bei der richtigen Strategie. Noch befindet sich die Affäre in der Anfangsphase, noch muss Mann Frau heiß machen und ihr zeigen, wie sehr er sie begehrt. Darum ist's für den Satz "Je cooler du zu ihr, desto schärfer sie auf dich" noch zu früh. Den Grundsatz sollte er zwar kennen, aber dessen wohldosierten Einsatz auch beherrschen.

Was für das Fortsetzen einer Liaison als Anpepper dient, ist für den Anfang leider das sofortige Ende. Nichts ist demütigender für sie als das Negieren ihrer zarten Triebe. Da hat sie sich schon so weit ausgezogen (seelisch, natürlich), dass er es geschafft hat, ihre Sehnsüchte zu schüren und ihr sogar ein paar gefühlige Sätze zu entlocken - und dann meldet sich der Kerl einfach nicht mehr.

Sie aber braucht Bestätigung. Sofort und viel. Setzt er sie schon in der Eroberungsphase auf Entzug, reagiert sie beleidigt. Zwei Tage Trotz und Trauer - und der Typ ist abgehakt. Jeder Wiederbelebungsversuch sinnlos.

Zuviel des Guten allerdings hat den gleichen Effekt. Überschüttet er sie mit Zuwendung und Aufmerksamkeit, bombardiert sie mit Anrufen, lässt sich die Katastrophe kaum noch vermeiden. Denn wer sich ständig meldet, immer präsent und verfügbar ist, lässt ihr keine Zeit und Gelegenheit, Sehnsucht nach ihm zu entwickeln. Besser: Er drängt sich nicht auf, sie nach Hause zu fahren, sondern nutzt die Zeit, auf ihrem Anrufbeantworter einen Hauch von Nachricht zu hinterlassen. Wenn sie dann nach Hause kommt, ist sie überrollt von soviel Aufmerksamkeit.

In der Liebe müssen viele Dinge ungesagt bleiben. Das gilt vor allem am Anfang. Auf keinen Fall Liebesgeständnisse im Frühstadium. Das setzt sie unter Druck und bringt sie in Zugzwang. Außerdem hält sie ihn dann für einen Schwächling.

Seine Sogwirkung setzt ein, ihre Widerstände gegen ein zweites Treffen lösen sich in Nichts auf sofern das noch an einem neutralen Ort wie einem Restaurant gehobener Preisklasse (eine zweckdienliche Investition, die den Eindruck ihrer Wertigkeit und seiner Wichtigkeit vermittelt) stattfindet. Wenn er es jetzt noch vermeidet, schraubstockartig ihre Finger zu umklammern oder sie mit dem Unterwerfungsblick eines geprügelten Dackels anzuhimmeln - dann konnte die nächste Hürde überwunden werden. Sie ist jetzt offen für Komplimente. Vor allem für solche, die Aufmerksamkeit signalisieren, wie "Die grüne Jacke neulich sah schon wirklich gut aus, aber das schwarze Kleid heute ist einfach unglaublich."

Egal wie abgedroschen seine Sprüche sind, Hauptsache die Fakten stimmen. Frauen wollen in den Momenten der ersten allgemeinen Verunsicherung (aber auch nur in diesen!) keineswegs nüchterne Ehrlichkeit. Ein paar harmlose Schmeicheleien bringen sie auf Touren. Ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit ist starker als die Fähigkeit zu widerstehen. Zuviel allerdings macht seine Worte verdächtig und untergräbt deren Aufrichtigkeit.

Worte gehören zum Erobern. Sie schätzt ein langes Vorspiel, vielleicht auch schon mal das eine oder andere Zwischenspiel. Aber wenn er mehr will, wird sie zickig. Ein paar Runden muss Mann schon noch drehen, wenn er sie haben will. Sie ziert sich noch, doch das ist reine Formsache. Genau das ist der richtige Moment für seinen Rückzug. Das nächste Treffen kommentarlos platzen lassen, sich nicht mehr rühren. Nichts kocht eine Frau weicher als die Unsicherheit. Drei Tage sind optimal, um sie zwischen Zorn und Sehnen zu halten. Dann kann Mann feststellen, wie sehr sie ihn schon vermisst. Sein Anruf (eine flüchtige Entschuldigung, die nach wichtigem Business klingt, macht ihn noch attraktiver) ist Erlösung. Selbstverständlich hat sie Lust, ihn zu sehen. Ja, gern auch bei ihm. In ihrem Kopf hat sie diesen Abend ohnehin schon x-mal inszeniert. Seine Wohnung ist die Bühne, sie selbst die Heldin. Akt für Akt, das Stück steht. An ihm ist es jetzt zu zeigen, dass er die Idealbesetzung für die männliche Hauptrolle ist.

Und er ? Hat er seinen Part gut gelernt ? Wohnung aufgeräumt ? Nicht zu ordentlich, das wirkt bemüht, und sie wurde es ihm ohnehin nicht als Dauerzustand abnehmen. Fotos der Ex- und Noch-Freundinnen nicht im Schreibtisch (da sucht sie zuerst) vergraben. Unauffällig die erotische Duftmischung aus Sandelholz, Patschuli, Ylang-Ylang und Rose (kann man sich in einschlägigen Laden mischen lassen) verteilen. Zum Bett führt eine sinnliche Spur aus Jasmin (vertreibt Angst, stärkt Selbstvertrauen, gilt als Aphrodisiakum bei emotional bedingter Frigidität). Hier und da wie zufällig eine Kerze aufgestellt (helles Licht macht sie verkrampft: quälend und absolut abkühlend der Gedanke, ob das Make-up noch perfekt sitzt). Wenn Mann fit ist, hat er selbst gekocht. Eine Kombination aus bestellter Exotik hat aber auch ihre Reize. Nur handlich müssen die kleinen Feinheiten sein. Man weiß ja nie, ob sich nicht ein Mitternachtsgelage in der Badewanne anschließt. Antipasti eignen sich dafür (keine Frau, die nicht auf Italien steht) oder Sushi (bisschen Protein kann ganz hilfreich sein). Was sie allerdings zu fluchtartigem Verlassen seiner Wohnung bringen wird, ist der Anblick von Spargel und Austern.

Allseits beliebt ist das Lutschen an jeder Art von Beere (auch nach dem Essen als hübsches Spielzeug verwendbar). Mit dunkler und heller Mousse au Chocolat (etwas Süßes muss sie haben) lassen sich am lebenden Objekt erregende Linien nachzeichnen. Wenn es erst mal soweit wäre! Davor steht felsenfest und uneinnehmbar: sie. Er war perfekt bisher, hat sich nahezu verausgabt.

Jetzt tastet er sich weiter vor. Für den Anfang reicht das flüchtige Berühren ihrer Hand und ihres Arms, für den fortgeschrittenen Abend der Arm um ihre Schulter und für den weiteren Verlauf ein unterm Tisch vorsichtig vorwärtsbewegtes Bein zwischen ihre Unterschenkel. Dann Oberschenkel. Das geht nicht ohne Risiko. Denn entweder führt die Attacke zum sofortigen Ende des Abends - oder direkt zum Erfolg. Denn Frauen wollen erobert werden. Und ein Mann, der höflich fragt, ob er die Nacht mit ihr verbringen dürfe, versprüht die Erotik einer Schlafpille. Die sicherste aller Methoden, es nicht zu schaffen.

Spätestens vor seinem Bett, das mitnichten das kunterbunte Karo seiner Kindertage tragen sollte, weiß sie, ob es sich lohnt zu bleiben. Ein Handgriff zur falschen Zeit, und er hat die knisternde Spannung auf lau gedreht: Wer tatsächlich erst die Hose runterzieht, im Hemd und mit Krawatte dasteht, sieht einfach komisch aus. Dann die unelegante Kniebeuge Richtung Schnürsenkel, während die Hose um die Knöchel schlabbert. Schließlich gibt er ihr den Rest, wenn er seine Klamotten auf dem Stuhl sortiert, nicht ohne seinen Sakko noch auf den Bügel geschoben zu haben.

Begehrt und erobert fühlen sich Frauen dagegen, wenn ein Mann sich das Hemd vom Leib reißt, dabei schon mal einen Blick auf seine Brust freigibt. Der die Hose fallen lässt, wo er gerade steht, weil es jetzt wirklich aufregendere Dinge gibt. Der sich nicht schamvoll aus der weißen Feinrippe schalt, sondern einen Strip aus den Boxershorts zeigt. Nicht irgendwelche natürlich. Keine Shorts, die Weihnachtsmänner beim Ringelpiez oder quietschgrüne Karnickelduos im Positionsrausch zur Schau stellen. Denn Frauen wollen keine Jungs, sondern Männer. Männer in Uni oder Streifen.

dass er parallel - aber keineswegs nebenbei - seine Fingerfertigkeit auch an ihr unter Beweis stellt, versteht sich. Sie möchte ausgepackt werden wie ein Geschenk. Und das nicht mit unsensiblen Händen, die sich - platsch - auf ihrem Busen breit machen oder einfach grob am Spitzenbody zerren. Sie liebt die genußvolle Step-by-step-Show, schließlich gibt es ja überall etwas Neues für ihn zu erforschen. Wenn er seine Entdeckungen dann auch noch kommentiert, gibt er ihr das Gefühl, das einzige und wahre Objekt seiner Begierde zu sein - und macht sie willig. Trotzdem erwartet sie keineswegs eine detaillierte Beweisführung darüber, dass er das Kamasutra gelesen hat. Bisschen konventionell kann er schon kommen. Nichts einzuwenden gegen Missionarisches. Variatio delectat - aber erst später, wenn der linke Fuß hinterm rechten Ohr nicht mehr peinlich wirkt. Diese Nacht jedoch sieht sie als Testphase, deren Höhepunkt wirklich nicht das hundertprozentige Vollzug des multiplen Orgasmus sein muss. Das kann warten.

Sollte er ein verkappter Rambo sein, dessen Können sich in knallhartem Umlegen erschöpft, hat er ohnehin schlechte Karten. Der Brutalo-Bereich, in dem die Braute schon mal mit Kühen verwechselt werden, die unter Zuhilfenahme kunstvoller Lassoschwunge eingefangen und gefügig gemacht werden sollen, ist nicht jederfraus Sache. Für den Anfang tun es wirklich Teppichboden (ein Kamin sorgt immer noch für Pluspunkte), Futon und die Badewanne.

Zu erschlaffender Stunde bietet die Wanne sich für einen Wiederbelebter an: ein Stück Zimtrinde, jeweils eine Handvoll Melissenblätter und Rosmarin zu einem starken Aufguss verkochen und ins Badewasser geben. Nach kurzem Eintauchen wissen beide schlagartig, warum diese Mischung nicht nur in Indien als stark aphrodisierend und die sexuelle Phantasie anregend geschätzt wird...

Apropos Bad: Seine Ausstattung wird von ihr genau begutachtet. Fällt das Urteil negativ aus, muss er schon über sonstige ungewöhnliche Qualitäten verfügen, um diesen Makel wieder wettzumachen und sie zur Wiederholungstat zu bringen. Seine Wohnung kann kreatives Chaos sein, seine Kochkunst miserabel, sein Musikgeschmack unterirdisch. Aber das Badezimmer muss stimmen. Da kennt sie keine Kompromisse.

Was dazugehört ? Zwei Männer-Bademantel (ein Frauenteil hat automatisch eine Vorbesitzerin, und wie die muss sie ja nun wirklich nicht rumlaufen), weich, sauber und am besten weiß. Wie der dicke Stapel Handtücher, vorgewärmt wäre noch besser. Und dann das, was man ebenso als Frau braucht: von der Kleenex-Packung zu den Wattepads, Shampoo mit Spülung (Jil Sander macht sich gut), Bodylotion und Deo (unparfümiert und ph-neutral), Augen-Make-up-Entferner und eine Sammlung eingepackter Zahnbürsten, echte Schwämme und eine Kollektion unterschiedlicher und exklusiver Seifen sowie selbstverständlich Zeitschriften. Bleibt nur noch der nächste Morgen. Keine Frage: Er macht das Frühstück, Champagner kaufen kann, muss aber nicht sein, frischer O-Saft unbedingt. Bagette mit Cafe au lait und Mozzarella mit Tomaten bringen Ferienstimmung.

Und dann der Abschied. Verlegen ? Bei ihm hat's längst geschnackelt, er ahnt es nur noch nicht. Bei ihr sowieso, aber sie weiß es genau. Denn jede Frau will dieses Prickeln spüren. Jede Frau will sich verlieben.




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