Eine scheinbar ganz alltägliche Begebenheit, wie z. B. der Kauf eines klassischen Motorrades, kann durch eine etwas erweiterte Sichtweise zum Paradebeispiel für menschliche Schwächen werden. Es erweist sich bei einer solchen Szene als höchst interessant, mal in die Köpfe der Darsteller zu blicken. (V: Verkäufer, K: Kunde)
V: Tach. Na, haben Sie den Weg gut gefunden? (So wie
der aussieht, wohl kaum...)
K: Klar! Ihre Beschreibung war ja auch super gut. (danach wäre ich wohl
morgen noch unterwegs...)
V: Möchten Sie nach der langen Fahrt vielleicht zunächst einen Kaffee?
(hoffentlich nicht, sonst hockt der mir stundenlang in der Bude...)
K: Nee, vielen Dank. ('n Bier wär' nicht schlecht...)
V: Na, dann gehen wir in die Werkstatt. (na, das ging ja flott...)
K: 'N Bier wär' nicht schlecht. (trink du deinen Kaffee mal alleine...)
V: Bier??? (um diese Uhrzeit, igitt...)
K: Jau, eins reicht. (drück ich mich so unklar aus, du Pfeife... ?)
V: Ja, ääh, dann kommen Sie doch einen Moment rein. (ich hab's geahnt...)
K: Nee, nee, ich kann mein Bier auch unter freiem Himmel trinken. (sonst muss
ich noch stundenlang bei dem in der Bude rumhokken...)
V: Gut, Moment. (noch mal Schwein gehabt...)
K: (noch mal Schwein gehabt...)
V: So, bitte. Dann können wir ja mal runter gehen. Das gute Stück
wartet sicher schon ungeduldig auf sein neues Herrchen. (mit solchen Typen redet
man am Besten wie mit einem Kleinkind...)
K: Hahaha. (der hat'se offensichtlich nich' mehr alle stramm...)
V: Hatten Sie schon mal solch eine Maschine. Ich meine, haben Sie Erfahrung
mit diesem Motorrad? (dem kann ich doch ein X für ein U vormachen...)
K: Ich habe viel darüber gelesen. (muss er ja nich' wissen, dass ich die
Dinger seit elf Jahren sammle...)
V: Vorsicht. Glauben Sie nicht alles, was darüber geschrieben wird. Diese
Schreiberlinge haben nämlich oft von Tuten und Blasen keine Ahnung.
(hätt' gar nicht gedacht, dass er lesen kann...)
K: Jaja, haha. (Himmel hilf, wahrscheinlich schon wieder so'n Besserwisser,
der so tut, als hätte er selbst die Maschine konstruiert...)
V: Wissen Sie, dieses Modell war mir von Anfang an so vertraut, als wenn ich
sie selbst konstruiert hätte. (er könnte ruhig etwas mehr Ehrfurcht
im Blick zeigen...)
K: So was soll es geben. (Bingo...!)
V: So, da wären wir. Die dritte Garage dort. (gleich kann ich ihm die Augen
mit der Latte abschlagen...)
K: Praktisch, so nah beim Haus. (nu' mach das Schapp' schon auf, du verkanntes
Genie...)
V: Da ist das gute Stück. Warten Sie, ich hol' sie mal an die Sonne. (jetzt
macht sich das stundenlange Polieren bezahlt...)
K: Na, das sieht doch noch ganz ordentlich aus. (hochpolierte Gurke. Wahrscheinlich
'n Blender...)
V: Ist bei mir ja auch in den besten Händen. Wissen Sie, es kommt halt
auch auf die richtige Art der Pflege an. Die Meisten pflegen solch eine Maschine
ja schnell kaputt. Und falsch machen kann man schon eine ganze Menge. Deshalb
würde ich die Maschine nur ungern an jemanden abgeben, der es nicht versteht,
ein solches Stück auch gebührend zu behandeln. (nur damit du weißt,
wo hier der Hammer hängt...)
K: Da haben Sie aber auch recht. (laber, sülz, rhabarber...)
V: Wie sie sehen, ist hier der absolute Originalzustand wieder hergestellt.
Besonders schwierig war die Rekonstruktion des originalen Farbtones. Nach langem
Suchen fand ich schließlich in der Nähe von Edinburgh einen bettlägerigen
alten Mann, der seinerzeit in der Lackierer des Stammwerkes gearbeitet hatte.
An seinen alten Arbeitsschuhen fand sich noch ein Partikel
des Originallackes. (mein Gott, kann ich tolle Geschichten erfinden...)
K: Hat man Töne? (kann der tolle Geschichten erfinden...)
V: Auch die Sitzbank bereitete Probleme. Vier Ziegen mussten schon ihr Leben
lassen, bis das gegerbte Fell der fünften endlich in der Maserung dem Original
entsprach. Aber was tut man nicht alles, wenn einen der Bazillus gepackt hat.
(gleich bittet er, meine Hand küssen zu dürfen...)
K: Jaja, was sind da schon fünf Ziegen. (Tierschänder! Dein Fell sollte
man dir über die Ohren ziehen und überm' Kopf zubinden, du Bazille...)
V: Und dies hier ist die Krönung. Ein Uhrmacher aus der Schweiz hat diesen
Tacho hier in nur neun Monaten vollständig restauriert. Alle zweihundert
Zahnrädchen funktionieren wie am ersten Tag. Wahrscheinlich sogar besser.
(mit Sicherheit sogar...)
K: Was läuft die denn so Spitze? (jetzt werd' ich dich mal 'n bißchen
necken, du Scheißerchen...)
V: Wie bitte??? (wie bitte...?)
K: Na, was der Ofen so bringt, wenn man ihn gnadenlos scheucht. (ich rieche
förmlich wie ihm die Galle hochsteigt...)
V: Ich glaube, ich verstehe immer noch nicht so recht. (der hat' se wohl
nicht mehr alle...)
K: Schon gut, schon gut. Aber mal 'ne andere Frage. Kann ich da irgendwie Stummel-Lenker
und Rennverkleidung dranstricken? (gleich platzt ihm der Zwickel...)
V: Stummel...lenker??? Rennver..was...??? (Banause! Mieser kleiner Banause....
Wenn ich das in meinem Club erzähle...)
K: Mein Gott, Sie sind ja ganz blass! (völlige Kalkbirne, wo ist nur sein
ganzes Blut??? Da wird's jetzt wohl ganz schön eng in den Socken...)
V: Guter Mann, wissen Sie überhaupt, dass dieses Modell eines der letzten
seiner Art ist? Dutzende, wenn nicht sogar hunderte von Wochen habe ich gebraucht,
um diese Maschine wieder so nahe es eben geht an den Originalzustand heranzuführen.
Ein Porzellanmaler aus Meißen hat mir die Linien auf den Tank gezogen.
Jedes noch so kleine Detail dieses Motorrades ist so original, dass es schon
fast weh tut. Und Sie fragen mich, oh man da was "dranstricken" kann??
(bleib ganz ruhig, Fred. Denk' an deinen Blutdruck, Fred. Nur die Ruhe, Fred.
Das ist alles nur ein Traum...)
K: Nu' kommense mal von der Werkbank wieder runter. Hab' ich doch alles gar
nicht so ernst gemeint. Ich wollte nur mal sehen, ob Sie ein echter Liebhaber
sind. Übrigens, wo Sie schon den Tacho ansprechen: Sie haben nicht zufällig
die originalen Roncalli Instrumente mit den vertikal
gehuppten Rummelfedern? (versuch ich's halt auf die harte Tour...)
V: Was soll ich bitte haben? (vertikal gehuppt?)
K: Na, die Roncallis halt. (ich hab' ihn, ich hab' ihn...)
V: Nie davon gehört. Das kann aber kein Originalteil sein. Das müsste
ich dann kennen. (vertikal gehuppt...?)
K: Müssen muss man gar nichts. Das wissen eh' nur die Wenigsten. (jetzt
kommt: WAS wissen die Wenigsten?...)
V: WAS wissen die Wenigsten? ja was denn..)
K: Na die Sachen mit der Doppelproduktion. Durfte ja auch keiner wissen. War
'ne windige Angelegenheit. (er zappelt schon am Haken...)
V: Ich versteh' kein Wort. (aber auch nicht Eines...)
K: Ist ja auch keine Schande. Ich hab's auch nur durch Zufall erfahren. Die
haben damals nachgebaute Maschinen als Original verkauft. Und zwar das Werk
selbst. Aufgeflogen ist das Ganze erst, als man drüben in Amerika zwei
Maschinen mit ein und derselben Rahmennummer entdeckte. Daraufhin stöberte
man ein wenig in den Büchern und der ganze Schwindel flog auf. (jetzt führ'
ich ihm dieses Märchen gaaaanz langsam ein...)
V: Ich verstehe immer noch nicht so recht... (das Werk ist doch längst
pleite...??)
K: Ich sagte doch bereits, dass so gut wie niemand davon weiß. Man hat
es nicht an die große Glocke gehängt, weil das Werk schon längst
Pleite ist. Aber das wird sich bald ändern. (jetzt bin ich schon am Dickdarm...)
V: Zum Teufel, jetzt reden Sie endlich. Was wird sich bald ändern? (mir
wird so komisch...)
K: Jetzt ganz in Ruhe. Sie wissen ja tatsächlich noch immer von nichts.
Die haben ganz einfach ein paar hundert Modelle mit einer Rahmennummer versehen,
die es vorher schon gab. Die haben sie aber nicht selbst gebaut, sondern irgendwo
billig bauen lassen. Mit mangelhaften Anbauteilen. So schmuggelte man hunderte
von Maschinen an der Steuer vorbei und konnte zusätzlich die billigen Lizenzbauten
zum Originalpreis verkaufen. Meist in Übersee. Und von da sind sie dann
irgendwann mal wieder zurückgekommen. Hier hat's keiner gemerkt. Aber das
wird sich ja morgen Ändern. (ich verlasse den Dickdarm...)
V: Inwiefern?? (.... ????)
K: Na ja, morgen erscheint in der neuen Ausgabe des größten Fachmagazins
ein großer Artikel darüber. Und Sie haben wirklich nicht die gehuppten
Rummelfedern? (jetzt bin ich kurz vor der Herzkammer...)
V: Soll das etwa heißen, dass dieses Modell hier kein Original ist? (alles
nur ein Traum. Bitte lieber Gott...)
K: Na ja, sagen wir mal, es ist ein wirklich schöner Nachbau. Aber halt
nur ein Nachbau. Schade eigentlich. (mitten ins Herz...)
V: Wann sagten Sie, erscheint diese Zeitung? (lieber Gott, hörst du mich
denn nicht... ?)
K: Morgen. Sie haben großes Glück, dass ich heute gekommen bin. Ab
morgen könnten Sie lange warten, bis einer die Maschine kauft. Aber wissen
Sie, mich interessiert das mit dem Originalzustand nicht so sehr. Deshalb würde
ich sogar die hier kaufen. Kommt natürlich auf den Preis an. (dummdidummdidumm...)
V: Ääähhh,..... warten Sie einen Moment. (wenn er recht hat,
bleib' ich auf dem Ding sitzen. In meinem Club wird man mich auslachen, dass
ausgerechnet mir so was passiert. Solche Maschinen werden nur von Sammlern gekauft.
Wenn das hier wirklich...)
K: Was is nu. (der Kandidat hat noch zehn Sekunden Bedenkzeit...)
V: Ja also, was würden Sie mir für ein Angebot machen? (......)
Und so weiter, und so weiter. Wie dieses kleine Verkaufsgespräch endet, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Und die Moral von der Geschichte: So leicht kauft sich ein Moped nicht, wenn einer nicht die Wahrheit spricht. In diesem Sinne.