Die Klobürste
In unserem heutigen
Beitrag beschäftigen wir uns mit einem Gebrauchsgegenstand des täglichen
Lebens, der sein Dasein oftmals unbeachtet und ohne Würde ertragen muß:
die Klobürste. Wer kennt sie nicht, jenes unscheinbare Ding, daß
uns allerhand Drecksarbeit abnimmt. Welch eine kühne Vorstellung,wenn man
sich einmal klar macht, es würde sie nicht geben! Dann müßte
jeder seinen eigenen Mist aus der Schüssel kratzen. Aber beruhigen Sie
sich. Es gibt sie ja nun einmal und ich möchte versuchen, Ihnen klarzumachen,
daß sie mehr Beachtung verdient, als wir ihr - seien Sie ehrlich - zukommen
lassen. Noch vor wenigen hundert Jahren wäre der Einsatz eines solchen
Gerätes nicht denkbar gewesen; ja,man wäre im günstigstem Fall
mit dem Tod durch Kastration unter Zuhilfenahme eines stumpfen Kartoffelmessers
davongekommen. Man fragt sich natürlich, warum dies so war, und noch heute
streiten sich die Gelehrten über dieses Thema.
Dies soll uns jedoch
nicht weiter interessieren, wir lenken vielmehr unser Augenmerk auf die Folgeerscheinungen,
die sich aus dem Nicht vorhandensein der Klobürste ergaben.
Die Geschichte weiß
von vielen Überschwemmungen zu berichten, die meisten mit mehr oder weniger
tödlichem Ausgang für die Bevölkerung. Allerdings, und ich spreche
hier aus Erfahrung, liegen in allen Geschichtsbücher die gleichen Irrtümer
vor. Denn besagte Überschwemmungen waren nicht das Resultat von irgendwelchen
Naturkatastrophen. Vielmehr lag es an der Unmenge von verstopften Klosetts,
die dessen ungeachtet weiterhin von ihren Eigentümern genutzt wurden. Die
Folgen sind klar und werden durch die Geschichte eindeutig belegt. Irgendwann
war nämlich der Zeitpunkt gekommen, wo den Hausbewohnern, im wahrsten Sinne
des Wortes, die Scheiße bis zum Hals stand. Und da zugleich der Geruch
unerträglich war, beschloß man, sich auf dem Marktplatz zu versammeln,
um das Problem gemeinsam zu lösen. Und hier liegt der Fehler! Denn durch
das Öffnen der Haustüren bahnten sich die Exkremente ihren so lange
gesuchten Weg in das Freie; ja, wahre Schwalle von Mist und Unrat ergossen sich
durch die Gassen und rissen alles mit sich,was da nicht niet- und nagelfest
war. So wurden einstmals blühende Städte in gigantische Scheißhaufen
verwandelt, unter denen das gesamte Leben zu Grunde ging.
Allerdings brachte die
Evolution im Laufe der Jahrhunderte kluge Köpfe an das Tageslicht. Unter
ihnen war auch ein Ägypter mit Namen Magidonis. Und eben jener findige
Kerl schlug dem Pharao vor, Kanäle zu bauen. Der Pharao schlug ihm dann
vor, dies näher zu erläutern. Magidonis erklärte das einfache,
aber wirksame Prinzip: Ein Kanalsystem sollte von den Haustüren der Stadtbewohner
zum Fluß Nil führen. Auf diese Weise würden die Exkremente in
den selbigen geleitet, wodurch alle Probleme gelöst wären. Das war
es, was er dem Pharao vorschlug. Der war so begeistert, daß er nicht nur
ein- ,sondern dem Magidonis auch noch den Kopf abschlug. Und Magidonis hatte
Recht behalten: das Kanalsystem funktionierte. Aber eines hatte unser findiger
Kopf nicht bedacht: nämlich die Ehre der Fische.
Die waren nämlich
auf's Äußerste empört darüber, daß die Menschen ihnen
ihre Scheiße an den Kopf warfen. Also warfen sie sie zurück, jedoch
zu weit, so daß der Mist auf den Feldern der Bauern landete. Aber da Fische
ja bekanntlich dumm sind, hatten sie den Menschen Gutes getan, anstatt ihnen
zu schaden. Denn im darauffolgenden Erntejahr erblickten die Ägypter eine
Pracht auf ihren Feldern, wie sie sie noch nie gesehen hatten. Sie führten
dies zurück auf den 'Schlamm, der vom Himmel fällt' und ehrten ihren
Gott Kackwurstis. Ja, sie bekamen sich überhaupt nicht mehr ein vor Freude
und sprangen in den Nil, um die erhitzten Gemüter abzukühlen. Die
Chroniken berichten von einem regen Paarungsverhalten der Ägypter im Nil,
gleich einer gigantischen Orgie, und dies alles aus lauter Freude. Das der Fluß
seitdem 'Der fruchtbare Nil' heißt, ist wohl auf diese Tatsache zurückzuführen.
Die Zeiten wandeln sich, die Fische hingegen bleiben dem und warfen die Exkremente
immer wieder zurück. Allerdings stieg auch ihre Treffsicherheit; ich verweise
hier auf die oft besungene 'Sintflut'. Aber auch die Ägypter lernten und
schotteten sich gegen die nun gezielten Würfe ab, nämlich durch den
Bau einer Betonmauer, die unter dem Decknamen 'Assuan-Staudamm' Eingang in die
Bücher fand. Allerdings erwies sich der Bau als zu gut, denn seither sind
die Ernten nicht mehr so berauschend, wie man mir glaubhaft versicherte. Die
alten Ägypter in Ehren, aber ein Kanalsystem erschien den meisten Menschen
zu aufwendig, man tat nichts weiter, als sich vor den Überschwemmungen
in acht zunehmen. Aber die Rettung der Menschheit war näher gerückt;
und wie sollte es auch anders sein: sie kam aus dem Land der Weisheit - Japan.
Es war ein regnerischer Tag vor vielen tausend Jahren, als einem armen Bauern
beim Pinkeln sein Amulett in das Becken fiel und sich durch den Abfluß
davonmachte. Der Bauer, er hieß übrigens Toshiba Sackomuschi, war
jedoch ein Meister der Selbstüberwindung. Er kniete sich vor das Klo und
tauchte seinen Kopf in den zum Platzen gefüllten Abfluß und hielt
nach dem Amulett Ausschau. Er drehte seinen Kopf hin und her, lockerte also
die über Jahrhunderte erstarrten Exkremente auf,fand sein Amulett und tauchte
wieder auf.
Wie groß war sein
Erstaunen, als er sah, daß der Abfluß mit einem Male wieder seinem
Zweck nachgehen konnte! Und da er weise war, schnitt er sich den Kopf vom Hals,
steckte ihn auf seine Harke und machte als erste Klobürste der Welt Karriere.Heutzutage
braucht man sich jedoch nicht mehr den Kopf abzutrennen, um seinen Lokus zu
säubern. Ein Griff in die Ecke - und man hält jenen formschönen,
in geschmackvollen Farben gehaltenen Gegenstand in seinen Händen. Der Einsatz
ist unproblematisch und es entfällt auch die anschließende Kopfwäsche.
Dies jedoch nur, wenn man die Bürste nicht als solche verwendet.